Als ich heute morgen unschuldig die Welt aufschlug, erschlug mich geradezu eine Filmkritik eines gewissen Herrn Elmar Krekeler.
Ernsthaft: So etwas bösartiges, widerliches, im Kern einfach nur ätzendes habe ich in einer Zeitung schon lange nicht mehr gelesen. Es geht um den Kinderfilm “Hanni und Nanni”.
Ich habe den Film zur Pressevorführung gesehen und als “Zielgruppengerecht aber nix besonderes” eingstuft. Meine Güte. Zehnjährige Mädchen werden ihren Heidenspaß an diesem Film haben.
Und mehr soll ja auch gar nicht erreicht werden.
Nicht so für Herrn Krekeler. Er kann ja auch nicht nur den Film an sich bewerten, nein, er muss gleich den ganzen Bogen spannen: Über die heutige Jugend, deren Deutschkentnisse so miserabel seien, dass die Bücher deswegen ständig vereinfacht würden (mich würde mal interessieren, woher dieser Mann das überhaupt weiss. Soweit ich das recherchiert habe, wurden die Bücher der jeweiligen Rechtschreibung angeglichen. Und gewisse Dinge, die heute einfach nicht mehr in die Zeit passen - Häkelkurse - wurden eliminiert).
Dass die Geschichte in Episoden zerbröselt – auch geschenkt. Das ist selbst in den echten Blyton-Büchern inzwischen nicht anders. Die wurden zum Teil mehrmals umgeschrieben, im Satzbau solange heruntervereinfacht, bis sie der Lesekompetenz heutiger Zehnjähriger entsprechen. Und diese Lesekompetenz ist, sagen die Lektoren, halt um einige Klassenstufen schlechter, als die von Zehnjährigen noch in den Sechzigerjahren.
Ach? Und deswegen ist der Film schlecht?
Die Kritiken an den Darstellern (Hannelore Elsner am unteren Rand der Peinlichkeit eine mildtätige Mutter Teresa des Internatswesens; Heino Ferch hampelt problembärenhaft; Katharina Thalbach begeht Rufmord an ihrer Karriere,da sie kreuzgefährlich falsch französelt) entbehrt dann wirklich jeglichen Verständnisses. Als hätte Herr Krekeler noch nie einen Harry Potter Film gesehen. Als ob Elsners Rolle nicht einfach genau so banal-gütig wie ein Dumbledore angelegt ist. Auch dass die Mireille Mathieu-Perücken-auftragende Thalbach so daneben ist… GOTT DAS IST ABSICHT. Hat jemand mal Emma Thompson deswegen des Karriere-Rufmords bezeichnet, weil sie als Sibyll Trelawney völlig überkandidelt spielt?
Die Reihe ließe sich fortsetzen. Und das nicht nur bei Potter. So funktionieren Kinderfilme.
Das Zielpublikum wird einen Mordsspass haben. Herr Krekeler natürlich nicht.
Wenn die Kids schon nicht lesen können, dachten die Filmemacher, können die vielleicht ja auch nicht gucken. Und so sieht das Ganze aus, als hätten sie es nicht für ein junges, sondern für ein grenzdebiles Publikum konzipiert. Vor allem die erwachsenen Stardarsteller tun, was erwachsene Stardarsteller in Kinderfilmen immer öfter tun: Sie überdrehen derart, dass man Hirnwegskatarrh davon bekommt.
Ne is klar. Aber wer schickt auch einen überalteten Literaturkritiker in so eine Kinovorstellung?
Es ist zum “in den Vordersitz beißen”.
Besonders eklig finde ich dann seine Pauschalkritik an den Mädchen. Die beiden haben wirklich gut gespielt. Klar, das ist kein Shakespeare. Aber dafür sind die beiden auch 11 und wurden speziell ausgesucht.
Und die Kinder – einschließlich der Zwillinge Sophia und Jana Münster als Hanni und Nanni – machen es leider auch nicht besser. Eine Personenführung findet nicht statt. Die Pointen sitzen schief in den Angeln. Und was man aus dem sommerlichen Trauerspiel mit dem Charme der späten Fünfzigerjahre lernen soll – Toleranz ist toll, Fairness, Freundschaft und Integration sind schützenswerte Werte, und jeder ist einmalig und wertvoll - das hat selbst der einfältigste Siebenjährige nach einer halben Stunde verstanden.
Na und? Dann haben sie es schon dann verstanden? Who cares. Solang sie am Rest des Films Spaß haben. In meinem Interview mit einem Redakteur der Zeitschrift Flimmo haben wir festgehalten, dass Kinder auch ein Recht auf Unterhaltung haben.
Das hat in etwa den gleichen Effekt wie Herrn Reich-Ranickis Forderung nach besserem Fernsehen. Hurrah. Weil der ne Ahnung vom Fernsehen hat. Und so sehr hat offensichtlich Herr Krekeler Ahnung von Jugend- und Kinderfilmen.
Aber es geht ihm ja ums große Ganze. Und um seine Mutter.
So ist es doch bezeichnend, dass er den Artikel beschließt mit der Aussage, dass seine Eltern ihm “Fast die Fünf Freunde verboten” haben. Na, mein Beileid. Sie armer Mann.
Ich verrat jetzt mal was: Meine Mutter verbat mir damals das “A-Team”. Sie fand das für einen 5jährigen zu hart.
Und versprochen: Ich werd deswegen (!) den Film nächsten Monat sicher nicht zerreissen.
Wie peinlich wäre das denn?