Gestern endlich gesehen. Hm. Naja. Batz Kritik teile ich in Ansätzen. Sein Conclusio allerdings ganz: Der Film hinterlässt ein seltsam-hohles Gefühl, als würde da irgendwas fehlen.
Aber bei mir sind es andere Dinge. Ich bin Musical-Fan und Burton-Fan. Der Musical-Fan in mir weint, dass so unglaublich viele Lieder gestrichen wurden. ALLE - ausnahmslos alle - Chorpassagen sind verschwunden, die das Musical eigentlich klammern. Die verrückte Bettlerin, eine wirklich sehr zentrale Figur, wird auf drei Auftritte reduziert.
Der Richter (ein wunderbarer Alan Rickman) ist auf seine Gestik und Mimik reduziert. Wo ist das großartige Selbstgeisseln?
Irgendein Kritiker (ich glaube der im SPIEGEL) schrieb, dass es keinen Einzigen Ohrwurm gäbe. Das ist richtig, fehlt doch das dröhnende Titellied. Die harten Endkonsonanten in FleeT StreeT gingen mir damals wochenlang nicht aus dem Ohr. Hier komplett gestrichen.
Der Burton-Fan in mir hat das alles-schon-gesehen-Gefühl. Es tut mir leid, aber der ganze Film wirkt wie recycelt. Die Kulissen standen wohl noch aus “From Hell” rum (zugegeben, kein Burton, aber ein typischer Johnny Depp in Burton-Manier), die Richterperücke haben sie Christopher Lee aus “Sleepy Hollow” geklaut und die Rasiermesser wurden vermutlich aus den Scheren von Edward gebastelt. Bonham Carters Make-Up wurde aus “Big Fish” kopiert und Johnny Depp sieht aus, wie Johnny Depp immer meist bei Burton aussieht.
Das Burton einen eigenen Stil hat ist ja wunderbar. Aber mittlerweile habe ich das Gefühl, dass alles bei ihm gleich aussieht.
Eher amüsant als störend, da ja so gut wie jeder britische Schauspieler mitlerweile bei Harry Potter mitgespielt hat, meint man einen ergrauten Snape, Wurmschwanz und Bellatrix LeStrange zu sehen.
Kopfschmerzen bereitet auch die Synchrofassung. Man meint die Leute im Tonstudio zu hören: Damit die Leute das schauen, müssen wir SOVIEL wie möglich auf Deutsch reinbekommen”. Nur ging das leider gründlich schief. Klar, Dialoge sind verständlicherweise auf Deutsch. Aber das einzelne Wörter mitten im Lied plötzlich von der deutschen Stimme gesprochen werden ist mehr als albern (Mrs Lovett singt englisch, Sweeney Todd unterbricht sie auf deutsch, sie singt englisch weiter).
Insgesamt würde ich dem Film eine solide Drei geben. Er ist handwerklich super gemacht, schauspielerisch vollauf genügend und musikalisch sauber. Er ist allerdings nicht das Bombastwerk, dass ich erwartet hätte.